Wenn die Heizung läuft:
was Massivholz dann tut

Fachbeitrag · Oktober 2026

Mit dem ersten Heizen beginnt für Möbel, Dielen und Treppen aus Massivholz die trockene Jahreszeit. Das Holz gibt Feuchte an die Raumluft ab und wird schmaler, an Stellen, die im Sommer dicht waren, öffnen sich Fugen. Das meiste davon ist normal und geht im Frühjahr zurück. Wo die Grenze zum Schaden liegt, lässt sich mit etwas Hintergrund selbst beurteilen.

Wenn die Heizung läuft: was Massivholz dann tut

Holz richtet sich nach der Luft

Holz nimmt Wasser aus der Raumluft auf, wenn diese feucht ist, und gibt es ab, wenn sie trocken ist. Nach einiger Zeit hat es sich auf das Raumklima eingestellt. Im Wohnraum, wo die Temperatur wenig schwankt, hängt das vor allem an der relativen Luftfeuchte.

Wie eng beides zusammenhängt, ist seit Jahrzehnten vermessen. Bei Zimmertemperatur um 20 °C führt eine Raumluft von 65 Prozent zu einer Holzfeuchte von rund 12 Prozent, bei 30 Prozent Raumluft sind es nur noch rund 6 Prozent. Diese Spanne durchläuft ein bewohntes Haus im Lauf eines Jahres: feuchte Sommerluft auf der einen Seite, trockene Heizungsluft auf der anderen.

Die Baupraxis rechnet für Holz in beheizten Gebäuden deshalb mit einer mittleren Holzfeuchte um 9 Prozent, die mit den Jahreszeiten um einige Prozentpunkte schwankt. Holz für Möbel und Innenausbau sollte beim Einbau eine Feuchte nahe an diesem Wert haben, damit es sich im Haus möglichst wenig verzieht.

Raumluft und Holzfeuchte bei rund 20 °C
Relative Luftfeuchte im RaumHolzfeuchte stellt sich ein aufRaumluft ist
30 %rund 6 %trocken
40 %rund 7,5 %eher trocken
50 %rund 9 %ausgeglichen
60 %rund 11 %eher feucht
65 %rund 12 %feucht

Richtwerte aus den Messreihen von Keylwerth und des U.S. Forest Products Laboratory.

Was im Winter passiert

Ändert sich die Holzfeuchte, ändern sich die Maße, aber nicht in alle Richtungen gleich. Der Länge nach bewegt sich Holz praktisch nicht. Quer zur Faser umso mehr, und dort in Richtung der Jahrringe etwa doppelt so stark wie quer zu ihnen. Buche arbeitet spürbar mehr als Eiche, deshalb gilt Eiche unter Schreinern als das ruhigere Holz.

Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Angenommen, eine 80 Zentimeter breite Tischplatte aus Eiche steht im Sommer bei 60 Prozent Luftfeuchte und im Winter bei 35 Prozent. Ihre Holzfeuchte sinkt dabei von rund 11 auf rund 7 Prozent, also um vier Prozentpunkte. Je nachdem, wie die Jahrringe im Brett liegen, wird die Platte dadurch zwischen einem halben und gut einem Zentimeter schmaler. Im Frühjahr kommt diese Breite zurück.

Sichtbar wird das an wiederkehrenden Stellen: Zwischen Dielen und Parkettstäben öffnen sich Fugen, an der Füllung einer Kassettentür zeigt sich ein heller Rand, der im Sommer verdeckt war, und Treppenstufen knarren, weil die Verbindungen Spiel bekommen. Alte Leimfugen, die schon geschwächt waren, geben ebenfalls am ehesten im Winter nach.

Wie stark Holz quer zur Faser arbeitet
HolzartIn Richtung der JahrringeQuer zu den Jahrringen
Eicherund 0,35 %rund 0,16–0,20 %
Bucherund 0,40–0,45 %rund 0,20–0,22 %

Angegeben ist, um wie viel Prozent seiner Breite das Holz schwindet, wenn die Holzfeuchte um einen Prozentpunkt sinkt. Für Nadelholz wie Fichte und Kiefer rechnet die Praxis mit rund 0,25 % als Mittel beider Richtungen. In Faserrichtung, also der Länge nach, ist die Bewegung so gering, dass sie im Möbel keine Rolle spielt.

Normal oder Schaden: woran man es erkennt

Fugen, die sich mit dem Heizen öffnen und im Sommer wieder schließen, gehören zum Werkstoff. Die Holzforschung Austria beschreibt Fugen in mäßiger Ausprägung als holztypische Erscheinung, solange die Raumluft zwischen 30 und 65 Prozent relativer Feuchte bleibt. Breite Massivdielen zeigen mehr davon als schmale Stäbe, Buche mehr als Eiche.

Bedenklich wird es, wenn sich Fugen im Sommer nicht mehr schließen, wenn ein Riss quer durch eine Fläche läuft statt an einer Fuge entlang, wenn sich Dielen schüsseln, also an den Rändern hochstehen, oder wenn eine verleimte Verbindung offen steht. Dann war das Holz beim Einbau zu feucht, die Konstruktion lässt ihm keinen Platz, oder die Luft ist über Wochen deutlich zu trocken.

Den Unterschied können Sie selbst feststellen. Ziehen Sie im Winter an einer auffälligen Fuge einen Bleistiftstrich quer über den Spalt und merken Sie sich, wie breit er ist. Ist er im Mai deutlich schmaler, arbeitet das Holz, wie es soll.

Normal oder Schaden? Eine Übersicht
Was Sie sehenMeist normal, wenn …Nachsehen lassen, wenn …
Fugen im Dielen- oder Parkettbodensie mit dem Heizen kommen und im Frühjahr wieder schmaler werdensie im Sommer offen bleiben oder die Dielenränder hochstehen
Heller Streifen am Rand einer Türfüllungdie Füllung im Rahmen frei sitzt und der Streifen im Sommer verschwindetdie Füllung festsitzt und einen Riss bekommt
Spalt oder Riss in der Tischplatteer entlang einer Leimfuge oder vom Hirnholzende her läuft und im Sommer zugehter quer durch die Fläche wandert oder jedes Jahr länger wird
Knarrende Treppenstufedas Geräusch im Winter stärker ist als im Sommereine Stufe nachgibt oder sich sichtbar bewegt
Möbel wackeltsich eine Schraube oder ein Beschlag gelockert hateine verleimte Verbindung offen steht

Was hilft

Ein Hygrometer kostet wenig und zeigt die relative Luftfeuchte an. Erst mit diesem Wert lässt sich entscheiden, ob etwas zu tun ist. Für Wohnräume gilt ein Bereich von 30 bis 65 Prozent als verträglich, für das Holz wie für die Menschen. Im Winter liegt die Gefahr am unteren Ende, darauf sollte man in der Heizperiode achten.

Lüften Sie in der Heizperiode kurz und kräftig. Kalte Außenluft enthält wenig Wasser, und wenn sie sich im Raum erwärmt, ist sie sehr trocken. Ein dauerhaft gekipptes Fenster senkt die Luftfeuchte deshalb weiter als nötig und kühlt dabei noch die Wand ab.

Massivholzmöbel gehören nicht direkt vor den Heizkörper, den Ofen oder in den warmen Luftstrom über einem Konvektor. Eine intakte Oberfläche aus Öl, Wachs oder Lack bremst den Feuchteaustausch, verhindert ihn aber nicht.

Wovon wir abraten

Fugen im Winter zu verfüllen schadet mehr, als es nützt. Kitt oder Spachtel füllt den Spalt bei seiner größten Breite; im Sommer quillt das Holz zurück, findet keinen Platz und drückt sich hoch oder die Füllung heraus. Beurteilen Sie eine Fuge im Frühjahr, wenn das Holz wieder seine Sommerbreite hat.

Ebenso wenig hilft es, eine gerissene Tischplatte im Winter fest zu verleimen oder sie so zu verschrauben, dass sie sich nicht mehr bewegen kann. Ein gut gebautes Massivholzmöbel lässt der Platte quer zur Faser Platz. Wer das unterbindet, riskiert einen Riss an anderer Stelle.

Beim Befeuchten gilt Maß halten. Ein Luftbefeuchter ist sinnvoll, wenn die Anzeige über längere Zeit unter 30 Prozent liegt. Deutlich über 50 Prozent sollte man im Winter nicht gehen, vor allem nicht in schlecht gedämmten Räumen: An kalten Außenwänden schlägt sich die Feuchte sonst nieder, und es droht Schimmel. Reinigen Sie jedes Gerät regelmäßig, sonst verteilt es Keime im Raum.

Fugen im Winter sind normal

Was sich mit dem Heizen öffnet und im Frühjahr wieder schließt, ist Holz, das mit der Luft arbeitet.

Messen statt raten

Ein Hygrometer zeigt, ob die Luft zu trocken ist. Wohnräume vertragen 30 bis 65 Prozent.

Nichts verfüllen, nichts festsetzen

Wer Fugen im Winter spachtelt oder Platten starr verleimt, schafft den Schaden für den Sommer.

Häufige Fragen

Weil das Holz in trockener Heizungsluft Feuchte abgibt und schmaler wird. Bei breiten Massivdielen ist das stärker zu sehen als bei schmalen Stäben oder Mehrschichtparkett, bei Buche stärker als bei Eiche. Solange die Fugen im Frühjahr wieder zugehen, ist das der normale Jahresgang. Bleiben sie offen oder werden sie von Jahr zu Jahr breiter, sollte jemand nachsehen.

Für Wohnräume gilt ein Bereich von etwa 30 bis 65 Prozent relativer Luftfeuchte als verträglich. Im Winter sollte man vor allem die untere Grenze im Blick haben. Beim Befeuchten sollte der Wert nicht deutlich über 50 Prozent steigen, damit sich an kalten Wänden nichts niederschlägt.

Im Winter besser nicht. Ein Riss, der sich mit der Heizperiode geöffnet hat, wird im Sommer kleiner. Verleimt oder verkittet man ihn jetzt, fehlt dem Holz im Sommer der Platz. Beobachten Sie den Riss und beurteilen Sie ihn im Frühjahr. Ob sich eine Reparatur lohnt, steht in unserem Beitrag über Reparieren oder Ersetzen.

Verdunster am Heizkörper geben etwas Feuchte ab und müssen wie jeder Befeuchter regelmäßig gereinigt werden. Ob das für Ihren Raum reicht, zeigt erst das Hygrometer. Mehr bewirkt meist die Art zu lüften: kurz und kräftig statt dauerhaft gekippt.