Tür vom Schreiner
oder aus dem Katalog?

Fachbeitrag · Januar 2026

Eine Innentür kostet im Baumarkt einen Bruchteil dessen, was sie beim Schreiner kostet. Der Vergleich stimmt trotzdem selten — weil er zwei verschiedene Dinge vergleicht.

Tür vom Schreiner oder aus dem Katalog?

Warum die Maße im Altbau nicht aufgehen

Türen aus dem Katalog folgen genormten Maßen. Die DIN 18101 setzt für den Wohnungsbau Baurichtmaße von 625, 750, 875 und 1000 Millimetern Breite bei 2000 Millimetern Höhe an; das zugehörige Türblatt misst dann 610, 735, 860 oder 985 Millimeter bei 1985 Höhe. Das Raster stammt aus dem Mauerwerksbau und geht auf das Achtelmetermaß zurück.

Ein Haus aus der Zeit davor kennt dieses Raster nicht. Die Öffnung ist zwei Zentimeter zu hoch, das Gewände hat oben einen Bogen, die Wand ist 38 Zentimeter dick statt der 11,5, für die die Zarge gemacht ist, und im Obergeschoss hat sich der Boden über die Jahrzehnte gesetzt. Man kann eine genormte Tür in so eine Öffnung zwingen — sichtbar wird das an den Leisten, die den Rest verdecken müssen.

Dazu kommt: Ein Türblatt mit Röhrenspaneinlage lässt sich kaum kürzen. Unten sind meist wenige Zentimeter Rahmen, darunter kommt die Wabe. Wo eine Tür an einen gewachsenen Boden angepasst werden muss, endet der Katalog.

Was in einer Tür steckt

Die günstigste Bauart ist ein Rahmen aus Holzwerkstoff mit einer Papierwabe dazwischen und beidseitig einer dünnen Deckschicht. Sie ist leicht, gerade und für einen Innenraum ohne Anspruch völlig ausreichend — aber sie klingt hohl, dämmt kaum Schall und verzeiht keine Bearbeitung.

Darüber steht die Vollspaneinlage: schwerer, ruhiger im Klang, deutlich besser beim Schall. Und dann die Rahmenbauweise aus Massivholz mit eingesetzten Füllungen — die Bauart, die man in Altbauten vorfindet. Sie arbeitet mit dem Raumklima, statt sich dagegen zu stemmen, und sie lässt sich in fünfzig Jahren noch reparieren.

Beim Vergleich lohnt der Blick auf das, was nicht am Türblatt hängt: die Zarge, die zur tatsächlichen Wandstärke passen muss, der Bandsitz, die Falzausbildung und die Beschläge. An diesen Teilen entscheidet sich, ob eine Tür nach zehn Jahren noch schließt, ohne dass man sie anhebt.

Die Haustür ist ein anderes Thema

Eine Haustür steht zwischen zwanzig Grad innen und dem Wetter außen. Der Aufbau muss diese Spannung aushalten, ohne sich zu verziehen — deshalb wird sie mehrschichtig und symmetrisch aufgebaut, damit sich beide Seiten gleich verhalten. Eine dunkel gestrichene Tür auf der Südseite ist der härteste Fall, den es gibt; dort wird die Oberfläche in der Sonne deutlich wärmer als die Rückseite.

Dazu kommen Dichtungen, ein umlaufender Anschlag, Mehrfachverriegelung und die Frage, ob der Rahmen im Mauerwerk überhaupt trägt. Wir sagen offen: Wenn nur eine Standardtür in eine Standardöffnung soll, ist ein Fachbetrieb mit Serienware oft der günstigere Weg. Interessant wird es dort, wo die Öffnung nicht dem Raster folgt oder das Haus eine bestimmte Ansicht verlangt.

Was sich an einer vorhandenen Tür machen lässt

Sehr viel mehr, als die meisten annehmen. Eine alte Zimmertür, die klemmt, braucht selten eine neue Tür: Bänder nachstellen oder erneuern, Falz nacharbeiten, Schloss gängig machen. Türen, die über die Jahre gestrichen wurden, verlieren durch die Schichtdicke ihr Spiel — abnehmen und neu aufbauen bringt es zurück.

Auch der Schallschutz lässt sich nachrüsten: umlaufende Dichtung, eine Bodendichtung, bei Bedarf eine schwerere Füllung. Und eine Zarge, die für eine dünnere Wand gemacht war, lässt sich mit einem Futterbrett verbreitern, statt sie herauszureißen.

Wie der Vergleich ehrlich wird

Stellen Sie nicht Türblatt gegen Türblatt, sondern die fertige Situation gegen die fertige Situation. Zur Katalogtür gehören Zarge in der richtigen Wandstärke, Anpassung an eine Öffnung, die nicht im Lot steht, Beschläge und Montage. Wenn das alles dazugerechnet ist, liegen die beiden Wege näher beieinander, als der erste Preis vermuten lässt.

Und rechnen Sie die Nutzungsdauer mit. Eine Tür in Rahmenbauweise ist nach zwanzig Jahren eine Tür, die man aufarbeitet. Eine Wabentür ist nach zwanzig Jahren Sperrmüll. Das ist keine Wertung über den Preis, sondern über die Frage, wie oft man dieselbe Entscheidung trifft.

Das Raster passt selten

DIN-Baurichtmaße setzen 625 bis 1000 Millimeter Breite voraus. Altbauöffnungen halten sich nicht daran.

Die Zarge entscheidet mit

Wandstärke, Bandsitz und Falz bestimmen, ob die Tür in zehn Jahren noch von allein schließt.

Vorhandenes zuerst prüfen

Klemmende Türen brauchen meist neue Bänder und eine nachgearbeitete Oberfläche, keine neue Tür.

Häufige Fragen

Ja. Einzelstücke sind bei uns der Normalfall, gerade wenn eine Tür zu vorhandenen passen soll — wir gleichen Holzart, Profil und Farbton an das an, was schon da ist.

Oft ja, wenn die Zarge gerade steht und der Falz in Ordnung ist. Wir messen Bandsitz, Schlosssitz und Falzmaß auf und bauen das Türblatt darauf. Das spart die Zarge und die Arbeiten an der Wand.

Von der Entscheidung bis zur Montage sind einige Wochen einzuplanen — der größere Teil davon sind Trockenzeiten der Oberfläche, nicht Arbeitszeit. Bei mehreren Türen im Haus fassen wir Aufmaß und Montage zusammen.

Ja, über Füllung, umlaufende Dichtung und einen Bodenanschluss. Sinnvoll ist das zwischen Schlafzimmer und Flur oder zum Arbeitszimmer. Wir sagen Ihnen vorher, was in der jeweiligen Wandsituation überhaupt erreichbar ist — die Tür ist selten die einzige Schwachstelle.